Bad Dürkheimer Zeitung:

Von unserer Mitarbeiterin Birgit Geiger
Nein, damit hatten die Besucher wirklich nicht gerechnet. Wie sollten sie auch: "Zeitgenossen haufenweise" klang nach Kabarett, nach viel Literatur, nach einem niveauvollen Abend mit Zitaten der Weltgeschichte. Doch die zahlreichen Zuschauer, die sich am Samstagabend im total ausverkauften Gewölbekeller in Weisenheim am Berg auf schmalen Wurstmarktbänken drängten, hatten die Rechnung ohne die beiden Darsteller gemacht.
Und, zugegeben: Wer vorab noch nie etwas von dem Schauspieler
Uwe von Trotha und vor allem von Musiker Rupert Volz gehört hat, dürfte einen Kulturschock der besonderen Art erlebt haben. Denn was die beiden da eine Stunde lang improvisierten, inszenierten und verballhornisierten, war in leichter Abwandlung des Programmtitels "Absurdes haufenweise".
Mit Klobürsten bewaffnet
Schon die ersten Minuten machten den größtenteils älteren Zuschauem unmißverständlich klar:
Ein "normaler" Literaturabend sollte dies nicht werden. Mit zwei Klobürsten bewaffnet unterstützte (?) Musiker Rupert Volz die ersten
Gedichte von Uwe von Trotha: untermalte er dessen - wohlgemerkt äußerst ausdrucksstarken - Vorträge mit unmusikalisch schrägen Tönen an Gitarre, Trompetenmundstück, laberte und quäkte er auch mal dazwischen, während von Trotha unbeeindruckt vom Hintergrundspektakel vorzugsweise seine Lieblingsthemen Fäkalien, Verdauungsprobleme und dicke Hinterteile zum Besten gab.
Die Krönung des Absurden waren jedoch meist die Gesänge von Volz.
Seine phantastische Stimme lieh er sinnreichen Texten wie "Schlampen-Marie", weißer Schnee, oder "der Mann mit dem nassen Schwamm", während von Trotha mit den typisch ataktischen Bewegungen eines Alt-Hippie ein Tänzchen dazu wagte und mit ,,Yeah"Rufen das verwirrte Publikum zum Kichern brachte.
Absoluter Höhepunkt: Volz bearbeitete mit der Trompete den Hals seiner Gitarre, derweil versuchte von Trotha auf einem Kinder-Hüpfball den Weltrekord im Dauer-Hüpfen aufzustellen.
Was das Ganze sollte? Das dürften sich die meisten wohl gefragt haben, die der Einladung des Vereins "Altes Dorf" gefolgt waren.
Fest steht nur soviel: Bis auf die manchmal etwas mißglückten Improvisationsübergänge war an den beiden eigentlich überhaupt nichts auszusetzen. Volz' Gesänge, Trothas Vorträge - keine Frage, die beiden sind Könner.
Tja, und über den Rest, sprich Geschmack, läßt sich bekanntlich nicht streiten... Alles in allem ein Abend, an dem zumindest IonescoAnhänger voll auf ihre Kosten gekommen sind.

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